Andacht zum Thema Ostern

Gefühlt hat das Jahr 2019 gerade eben erst begonnen, schon steht aber Ostern vor der Tür. Wir wollen uns aufgrunddessen einen Text aus dem Johannesevangelium anschauen, genauer gesagt Jesus letzte Worte vor seinem Tod am Kreuz:

Johannes 19, Verse 28 – 30 (Elberfelder Übersetzung)
28 Danach, da Jesus wusste, dass alles schon vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet!
29 Es stand da ein Gefäß voll Essig. Sie legten nun einen Schwamm voller Essig um einen Ysop und brachten ihn an seinen Mund.
30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

Erstaunlich ist, dass bereits einige Verse vorher, genauer gesagt in Vers 28, angegeben wird, dass alles schon vollbracht war.

“Wie denn nun? Bereits in Vers 28, erst in Vers 30 oder wann denn nun genau?“ könnte man dabei denken.

Die deutsche Übersetzung des Wortes „vollbracht“ bietet leider nur einen kleinen Hinweis auf das eigentliche, komplexe, griechische Wort, das an dieser und vielen anderen Stellen des Neuen Testamentes im Grundtext steht: „telos“.

Telos“ steht nicht einfach nur für ein Ziel im Sinne von einem Abschluss bzw. einem Ende. Die eigentlichen, möglichen Übersetzungen lauten:

  • ausführen,
  • verwirklichen,
  • vollenden,
  • erfüllen.

Wir sehen, dass „Abschluss“ oder „Ende“ bzw. „beenden“ keine korrekte Übersetzung von telos wäre! Dieses Wissen ist der Schlüssel zum Verständnis von Christi Aussage: Jesus meint nicht, dass sein Leben vollbracht, beendet ist, obwohl er direkt nach diesem Satz stirbt und somit sein Ausspruch darauf bezogen werden könnte.

Viel eher meint er mit „es ist vollbracht“, dass das Ziel, der Heilsplan Gottes, nun ausgeführt, verwirklicht und erfüllt wurde.

  • In den Augen der Feinde von Jesus ist ihr Ziel erreicht: Jesu Tod. Sein Wirken wurde beendet.
  • Auch Gottes Ziel wurde erreicht: Jesus starb. Sein Wirken wurde dadurch aber nicht beendet, sondern gerade dadurch erfüllt, verwirklicht, ausgeführt!

Wäre das Johannes-Evangelium mit Kapitel 19 zu Ende, würde es keine frohe, gute Botschaft enthalten. Denn es schließt mit der Grablegung. Somit wäre Christi Tod der tatsächliche Abschluss, ein Selbstzweck und das eigentliche Ziel.

Gelobt sei Gott geht der Bericht von Johannes weiter! Denn in den beiden darauffolgenden Kapiteln wird deutlich, dass Jesu Tod nur ein Abschnitt im größeren Plan Gottes ist. Christi Tod ist folglich kein Ende der Heilsgeschichte, sondern es ist telos, so dass nur ein Schritt im Heilsplan nun vollbracht und ausgeführt ist!

Gottes Pläne gehen ja aber weiter. Der nächste Abschnitt in seinem Ratschluss wird im darauffolgenden Kapitel 20 thematisiert: Die Auferstehung.

  • Gelobt sei Gott ist Jesus Christus gestorben und hat dadurch diese Aufgabe des Heilsplans Gottes vollbracht, ausgeführt!
  • Gelobt sei Gott ist Jesus Christus auferstanden und hat auch diesen Schritt der Heilsgeschichte vollbracht, verwirklicht!